Am Telefon der Chef

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# Neuigkeiten aus der Gemeinde

Am Telefon der Chef

 Jahreslosung 2026: SIEHE, ICH MACHE ALLES NEU! Offenbarung 21,5

Während meines Vikariats (der praktischen Ausbildung fürs Pfarramt) läutet eines Tages, um 8 Uhr morgens, das Telefon. Und es meldet sich der Personaldezernent der württembergischen Landeskirche. Ich fürchte einen Rüffel. Aber der Oberkirchenrat fragt nur, freundlich, ob ich an einer „journalistischen Zusatzausbildung“ interessiert sei. Denn in Baden-Württemberg sei die Einführung des privaten Rundfunks geplant. Ich sage zu und freue mich auf die neue Aufgabe. Sie wird mein Leben verändern und prägen.

1986 wurde mir das Pfarramt für den Privatfunk in der Region Ulm übertragen. Ab 1991 arbeitete ich bei einer überregionalen evangelischen Wochenzeitung in Hamburg und ab 2000 in Berlin bei einer überregionalen evangelischen Monatszeitschrift. Ich musste also mehrmals vertraute Orte und Menschen zurücklassen. Aber die neuen Herausforderungen konnte ich auch annehmen, weil meine Mutter mir Gottvertrauen vermittelt hat. Und dies ist gestärkt worden durch regelmäßigen Gottesdienstbesuch wie durch die Auseinandersetzung mit anderen (nicht nur evangelischen) Theologinnen und Theologen.

„Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt! Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land. Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit. Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit“ (EG 395,3). Klaus Peter Hertzsch dichtete das Lied im August 1989. Der Jenenser Theologieprofessor konnte nicht ahnen, dass sich drei Monate später in Ost-Berlin die Grenztore öffnen würden.

Als Hertzsch 1949 in Jena das Theologiestudium aufnahm, gehörten 85 Prozent der DDR-Bevölkerung der evangelischen Kirche an. Und 1989 waren es noch 25 Prozent. Auch unsere Kirche(ngemeinde) wird in den kommenden Jahren schrumpfen, nicht wegen eines totalitären Regimes, sondern weil viele Leute vom Christentum nichts mehr wissen (wollen). Umso mehr sollten wir uns von Christen ermutigen lassen, die in der DDR ihre Zuversicht bewahrt haben.

Hertzsch schreibt von der Hoffnung „in Zeit und Ewigkeit“. Und darum geht es auch in der Jahreslosung. Sie steht in der Johannesoffenbarung 21,5. In Vers 4 heißt es: „Gott wird abwischen alle Tränen…, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.“ Und das heißt für mich: Christen finden sich mit dem Tod nicht ab, weder mit dem natürlichen, noch mit dem gewaltsamen. Selbst wenn ein Mensch hochbetagt stirbt, nehmen sie den Verlust ernst, den seine Angehörigen erleiden. Und erst recht bekämpfen Christen alle Machthaber und Organisationen, die über Leichen gehen. Jürgen Wandel

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