11/08/2026 0 Kommentare
Monatsspruch für August 2026
Monatsspruch für August 2026
# Neuigkeiten aus der Gemeinde

Monatsspruch für August 2026
Jesus Christus spricht: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. Joh 10,10 (E)
Der im September letzten Jahres ermordete rechte US-amerikanische Influencer und Podcaster Charlie Kirk hat mit rassistischen, menschenverachtenden und verschwörungsmythischen Theorien ein Millionenpublikum erreicht. Ein besonders plakatives Beispiel für seine Weltanschauung sind seine Aussagen zur Todesstrafe aus dem Februar 2024. In einem Podcast sprach er sich für öffentliche und schnelle Vollstreckungen von Todesurteilen aus, forderte sogar TV-Übertragungen und sagte schließlich, es würde seinen Tag besser machen, die Exekution eines mehrfachen Mörders zu sehen. Besonders verstörend werden Aussagen wie diese, wenn man bedenkt, dass es sich bei Charlie Kirk um einen bekennenden Christen handelte, der seinen Glauben in den Mittelpunkt seines politischen Wirkens gestellt hatte und der nach eigener Aussage schon als junger Mensch beschlossen hatte, sein Leben Jesus zu widmen.
Kirk ist nur ein jüngeres Beispiel für kirchliche Amtsträger oder Aktivisten, die meinen, aus ihrem christlichen Glauben heraus Argumente für das Töten von Menschen herleiten zu können oder die Unterstützung von mörderischen Regimen und Systemen damit zu rechtfertigen. Das Phänomen beschränkt sich nicht auf radikale evangelikale Kreise in den USA. So hat z.B. der russische Patriarch Kyrill öffentlich betont, dass die Todesstrafe nach seiner Ansicht nicht im Widerspruch zu den Evangelien stehe. Er unterstützt auch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, schweigt zu Kriegsverbrechen oder Angriffen auf die Zivilbevölkerung und verspricht gefallenen russischen Soldaten, dass sie durch ihren Heldentod von ihren Sünden gereinigt werden. Auch die „Deutschen Christen“ haben in Predigten und Hirtenbriefen das national-sozialistische Terrorregime unterstütz und versucht, die menschenverachtende Ideologie der Nazis, die Verfolgung der Juden und den deutschen Angriffskrieg mit christlicher Theologie zu rechtfertigen. Und natürlich wissen wir, dass wir noch viele weitere Beispiele in der 2000-jährigen Geschichte des Christentums finden können.
Es gab und gibt also immer wieder Menschen, die Hass und Ausgrenzung, Tod und Krieg im wahrsten Sinne des Wortes predigen, die versuchen christliche Gemeinschaften zu manipulieren und zu Anhängern von Ideologien zu machen, die aus unserer Perspektive im krassen Gegensatz zu der Botschaft Jesu steht, wie sie uns in den Evangelien, besonders in der Bergpredigt bezeugt wird. Dabei wird oft behauptet, dass Gott auf „unserer“ Seite stehe, die „anderen“ daher Feinde Gottes seien und somit das Töten zur heiligen Pflicht werde.
Jesus war sich dieser Gefahr bewusst – wirkte er doch in einem Umfeld, in dem zahlreiche selbsternannte Propheten auftraten, deren Botschaft wahrscheinlich häufig auch nicht von Frieden und Liebe erfüllt war. Im Gleichnis vom Guten Hirten, das gleich zwei der sieben „Ich bin“-Worte des Johannes Evangeliums enthält, vergleicht Jesus das Volk Gottes mit einer (oder mehreren) Schafsherden im Stall. Die Herde kann in diesem Gleichnis entweder vom „guten Hirten“ besucht werden, der den Stall durch die Tür betritt oder aber von Räubern und Dieben, die sich anders Zugang verschaffen. Jesus ist in diesem Gleichnis sowohl der gute Hirte, der die die Herde liebend führt, als auch die Tür, die Verbindung zwischen Hirten und Herde ist, also zwischen Gott und Gottesvolk. Die Diebe dagegen sind wohl als „falsche Propheten“ zu deuten, die sich Zugang zum Volk Gottes verschaffen und Böses im Schilde führen.
Wie erkennen die Schafe nun, ob Dieb oder Hirte vor Ihnen steht? Das ist einfach – „Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ Wer Leben schützt und versucht, dass alle Menschen es in Fülle haben sollen, der handelt im Geiste Jesu, nicht wer Todesstrafe, Krieg und Verfolgung das Wort redet, sondern Frieden, Versöhnung und dem Schutz der Schwachen.
Timo Wolff
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