Monatsspruch für Januar 2026

Monatsspruch für Januar 2026

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Monatsspruch für Januar 2026

DU SOLLST DEN HERRN, DEINEN GOTT, LIEBEN MIT GANZEM HERZEN, MIT GANZER SEELE UND MIT GANZER KRAFT. 5. Mose 6,5 (E)

Für einen Text, in dem es um Gesetze geht, klingt dieser Vers mit seinem Dreiklang aus Herz, Seele und Kraft geradezu poetisch. Der Monatsspruch steht im 5. Buch Mose, dem Deutoronomium. Der Name bedeutet „Zweites Gesetz“ oder auch „Wiederholung des Gesetzes.“  Er fasst alles Wesentliche noch einmal  zusammen. 

Im Deuteronomium kommen die Erzählung von Moses und der Geschichte des Volkes Israel zu ihrem Abschluss. Das ganze Buch ist als Abschiedsrede, als Testament komponiert, in dem Moses auf die Geschichte des Volkes Israel zurückblickt, in dem er die Gebote und Regeln des Volkes in Erinnerung ruft und an dessen Ende von Moses’ Tod berichtet wird – ein Buch, das in der Folge als letzte Verkündigung und als Interpretation des Gotteswillens durch Mose verstanden wurde.

Herzstück des Abschnittes über die Gebote und Regeln des Volkes im Deuteronomium ist das Hauptgebot der Alleinverehrung: „Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist Einer“ und der Gottesliebe, wie sie im Monatsspruch beschrieben wird, „mit ganzem Herzen, ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“.  Dieses Hauptgebot wird heute im Judentum als „Schma Jisrael“, das bedeutet „Höre, Israel“, täglich im Morgen- und Abendgebet rezitiert und gilt als zentraler Ausdruck des jüdischen Glaubens und als Grundstein des Bundes zwischen Gott und Mensch.

In der Tradition des Alten Testaments steht der „Bund“ dabei für das besondere Verhältnis zwischen Gott und den Menschen, denn in diesem Bund, der von Gott ausgeht, verspricht Gott den Menschen Beistand und Segen und verspricht, ein Gott zu sein, der mit ihnen ist und der an ihrer Seite steht, während sich das Volk Israel, während sich die Menschen verpflichten, nach Gottes Geboten zu leben.

Immer wieder hat Gott seinen Bund mit den Menschen neu geschlossen oder erneuert, immer wieder aber haben sich die Menschen von Gott abgewandt, haben den Bund brüchig werden lassen,  haben aufgehört, seine Gebote zu befolgen und ihn zu lieben.

Und genau davor will Moses das Volk Israel in  seinen letzten Reden nun bewahren und gibt ihnen das „Schma Jisrael“ an die Hand, dieses Zeugnis des Bundes zwischen Gott und Mensch, das als Summe der ganzen Tora, der fünf Bücher Mose, gilt. Hier wird in wenigen Versen auf den Punkt gebracht, worauf es bei diesem Bund zwischen Gott und Mensch ankommt. Und so geht es in unserem Monatsspruch darum, Gott als den Einen mit der ganzen eigenen Existenz zu lieben und zu ehren – dafür stehen das Herz, die Seele und die Kraft.

Das Herz ist im jüdischen Verständnis der Ort, wo sich alles entscheidet: die Gottesbeziehung, aber auch die zu uns nahestehenden Menschen. Das Herz ist dabei der Wohnort von Verstand und Weisheit, der Entscheidung zwischen Gutem und Bösem. Und wenn es heißt, dass wir Gott von ganzer Seele, also mit allem, was wir als Menschen sind, lieben sollen, meint das, dass wir Gott zu uns durchdringen lassen sollen. Und wenn Gott Herz und Seele erreicht, dann verändern wir Menschen uns, dann handeln wir – mit ganzer Kraft.

Eine Liebe also mit ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzer Kraft – eine Liebe, in der Gott auf uns zugeht, durch die wir Menschen uns verändern und eine Liebe, in der wir Gott den Bund, den er mit uns geschlossen, hat halten.

Und so kann uns dieser Vers auf dem Weg in ein neues Jahr Erinnerung und Übung sein: Erinnerung an den Bund, den Gott mit uns geschlossen hat und Übung darin, Gott zu lieben, ihm zu folgen, uns mit unserem Leben Gott zuzuwenden und dem Bund, den Gott mit uns geschlossen hat, im eigenen Leben nachzuspüren.

Dass uns im neuen Jahr gewiss wird, dass dieser ewige Bund Gottes mitten unter uns wohnt – als Immanuel, wie es im Matthäusevangelium in der Weihnachtsgeschichte über Jesus Christus heißt. Zu uns gesandt mitten in die Welt, auf dem Weg mit uns durch die Zeit und in das neue Jahr: Als Gott-mit-uns.

Markus Sachse

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