19/10/2026 0 Kommentare
Monatsspruch für November 2026
Monatsspruch für November 2026
# Neuigkeiten aus der Gemeinde

Monatsspruch für November 2026
Der HERR wird Recht schaffen zwischen den Nationen und viele Völker zurechtweisen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg. Jesaja 2,4
Am 24. Februar 2022 begann Russland seinen Angriffskrieg auf die Ukraine.
Nach Jahren, in denen man den Krieg fern und sich selbst in Sicherheit wähnte, zerbrachen alte Gewissheiten und Sicherheiten, der Krieg kehrte nach Europa zurück und der Februar 2022 wurde zur Zäsur in der neueren europäischen Geschichte.
Angesichts der neuen politischen Lage rief der damalige Bundeskanzler Scholz die „Zeitenwende“ und damit ein Investitions- und Ausrüstungsprogramm für die Bundeswehr aus, Debatten über Wehrpflicht und Waffenlieferungen wurden wieder aktuell und allseits stellte sich angesichts dieses Kriegs Fragen: Wie reagieren wir auf diesen Krieg in unserer Nachbarschaft? Wie können wir der Ukraine Beistand leisten? Was tun wir gegen die russische Aggression?
Diese Fragen, das Ringen um passende Antwort erreichte auch die Evangelische Kirche. Die Frage nach Krieg und Frieden stellte sich auch hier ganz neu und wurde von „Kriegstüchtigkeit“ bis „Pazifismus“ ganz unterschiedlich beantwortet – von Forderungen nach Waffenlieferungen an die Ukraine bis hin zu offenen Briefen, die diese gänzlich verbieten wollten. In ihrer Friedensdenkschrift von 2025 „Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick.“ geht die EKD auf diese Fragen ein und betont, dass die Neuorientierung der evangelischen Friedensethik noch nicht abgeschlossen sei.
Schwerter zu Pflugscharen! Schon in der DDR war dieser Vers das Motto der unabhängigen kirchlichen Friedensbewegung, und die gleichnamige Skulptur des russischen Bildhauers Jewgeni Wutschetitsch steht im Garten des UN-Hauptquartiers in New Yorck.
Heute stellt dieser Vers auch mein Verhältnis als Christ zu Krieg und Frieden auf den Prüfstand, denn so sehr ich von der christlichen Hoffnung, dem christlichen Wert des Friedens überzeugt war und bin, so sehr haben mich die Bilder von den Schlachtfeldern in der Ukraine in meinem Kern erschüttert, und so sehr hat mich das Leid der Menschen dort ergriffen. All das hat Zweifel an dem, was mir als christliche Friedenshoffnung und -forderung so wichtig war – Gewaltverzicht und Feindesliebe – geweckt.
Und in diese Situation hinein klingt als Monatsspruch dieses Bibelwort des Propheten Jesaja. Des Propheten, der den Israeliten nicht nur das Gericht Gottes, sondern auch eine Wende hin zum Heil, hin zu Frieden und Gerechtigkeit, ja, den zukünftigen Messias ankündigte. Frieden und Gerechtigkeit nach Zeiten der Verwüstung, der Sünde und des Chaos – als Blick in die Zukunft, als prophetische Rede.
Jesaja schreibt hier nicht über das, was schon ist, sondern über das, was noch werden wird: Frieden. Jesaja blickt auf eine Gegenwart voller Unheil und verheißt eine Zukunft voll von himmlischem Frieden – gestiftet vom Friedensstifter, von Gott. Jesaja macht also eine Spannung auf – zwischen einer Welt, die angesichts von Leid, Zerstörung und Krieg so dringend der Erlösung bedarf und einem himmlischen Frieden, auf den wir als Christinnen und Christen hoffen.
Als Christinnen und Christen in dieser Spannung zu leben, bedeutet, beide Seiten dieses spannungsreichen Verhältnisses wahr- und ernst zu nehmen.
Es bedeutet einerseits, zu erkennen, dass Friede und Gerechtigkeit in dieser Welt voller Gewalt und Zerstörung nie im luftleeren Raum entstehen, sondern dass sie Ordnung, ein gemeinsames Leben, Pluralismus und Freiheit benötigen, weil erst unter diesen Voraussetzungen wahrer, gerechter Friede werden kann.
Und wenn die Despoten und Autokraten dieser Welt diese Ordnung, das gemeinsame Leben in Freiheit und Pluralismus zu ihrem Feindbild machen und durch brutalste Kriegsführung unterjochen wollen – dann kann eine christliche Antwort nie blinder Pazifismus, nie Unterwerfung sein, dann können wir die Opfer von Gewalt und Krieg nicht im Stich lassen. Dann kann Gegengewalt – als ultima ratio – unvermeidbar sein. Dann kann Beistand, auch in Form von Waffenlieferungen, nötig werden. Um unsere Freiheit, unseren Frieden zu verteidigen.
In dieser Spannung zu leben, bedeutet andererseits, dass wir als Christinnen und Christen berufen sind, dieser Friedenshoffnung Ausdruck zu verleihen. Denn die Botschaft vom Frieden Gottes ist keine Botschaft, die sich auf fromme Innerlichkeit beschränkt. Sie drängt hinaus in die Welt und will unseren Alltag und unser Miteinander prägen. Sie bedeutet, auf Gottes Frieden zu vertrauen – und aus diesem Vertrauen heraus selbst dem Frieden zu dienen.
Und so können wir zu Friedensstifterinnen und Friedensstiftern werden: im Gebet und in der Hoffnung, in der Bereitschaft zur Versöhnung und in der Nächsten- und Feindesliebe. Frieden beginnt dabei nicht erst im Großen, sondern in unserem Alltag. Wo Menschen sich nach einem Streit die Hand reichen, wo Fehler vergeben werden, wo wir uns eines Menschen in Not annehmen, wo Schwache und Entrechtete Gehör finden und wo Feindschaft nicht mit neuer Feindschaft beantwortet wird – da berühren sich Himmel und Erde, da wird Gottes Frieden mitten unter uns.
Markus Sachse
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