Nahe bei den Leuten - Was wird aus unserer Gemeinde bei weniger Mitgliedern?

Nahe bei den Leuten - Was wird aus unserer Gemeinde bei weniger Mitgliedern?

Nahe bei den Leuten - Was wird aus unserer Gemeinde bei weniger Mitgliedern?

# Neuigkeiten aus der Gemeinde

Nahe bei den Leuten - Was wird aus unserer Gemeinde bei weniger Mitgliedern?

Die Zahl der Mitglieder der Halenseegemeinde und ihrer evangelischen Nachbargemeinden Auen, Daniel, Hohenzollern und Vaterunser ist zwischen 2024 und 2025 um insgesamt 3,6 Prozent zurückgegangen. Die Halenseegemeinde liegt mit minus 3,19 Prozent etwas darunter. Würde die Entwicklung so weiter gehen, hätten diese fünf Wilmersdorfer Gemeinden im Jahr 2050 zusammen nur noch 5254 Mitglieder statt den 13138 im Jahr 2025.

Natürlich muss dies nicht zwangsläufig eintreten. Denn die Geschichte ist offen, für positive wie für negative Entwicklungen. Der Autor dieser Zeilen hat (wie ältere Leserinnen und Leser) 1961 den Bau der Mauer  erlebt und ihren Fall 1989.

Aber zunächst müssen die fünf Kirchengemeinden von der Tatsache ausgehen, dass die Mitgliederzahlen schon aus demographischen Gründen weiter sinken werden: Das heißt, es sterben mehr Kirchenmitglieder, als dass neue dazukommen, sprich getauft werden. Außerdem treten Viele aus, die zwar getauft wurden, sich aber vom christlichen Glauben und der Kirche entfremdet haben. Und bei der Frage, ob Religion „cool“ ist oder nicht, spielen auch  die Altersgenossen (Englisch: peer group) eine wichtige Rolle.

Was in Wilmersdorf passiert, spiegelt eine allgemeine Entwicklung in Deutschland. Das „Forschungszentrum Generationenvertrag“ der Universität Freiburg im Breisgau untersuchte im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der römisch-katholischen Bischofskonferenz, wie sich die Mitgliederzahlen beider Kirchen entwickeln werden. Danach dürfte sich die Zahl der deutschen Protestanten und Katholiken bis 2060 halbieren.

Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinden Halensee, Auen, Daniel, Hohenzollern und Vaterunser besprachen Ende Mai bei einer Wochenendklausur in Magdeburg, wie eine Zusammenarbeit in der Region aussehen kann. Jede Gemeinde machte dabei auch deutlich, welcher Arbeitsbereich für sie selber besonders wichtig ist. In Halensee und in der Aue sticht die Kirchenmusik hervor. Sie strahlt auch weit über die Gemeinden hinaus, spricht selbst viele an, denen Kirche und Glaube fremd sind. Beide Kirchengemeinden freuen sich über die musikalischen Erfolge der anderen. Aber zu einem Konflikt kann es kommen, wenn mittelfristig nur noch ein einziger hochkarätiger Kirchenmusiker entlohnt werden kann, weil weniger Kirchensteuerzahler weniger Einnahmen bedeuten.

Ein Ausschuss prüft, ob für die fünf Gemeinden der Region eine gemeinsame Zeitung möglich ist, ohne einzelne Standorte zu vernachlässigen. Dem Gemeindekirchenrat (GKR) Halensee ist klar, dass bei zurückgehenden Mitgliederzahlen eine Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden vernünftig ist. Aber die Regionalisierung mancher kirchlicher Arbeitszweige kann die Ortsgemeinde, die eine bestimmte Wohngegend umfasst, nicht ersetzen. Denn sie ist nahe bei den Leuten, sicht- und erreichbar für Mitglieder und diejenigen, die es werden wollen.

Vor einiger Zeit berichtete die Süddeutsche Zeitung über die Zunahme von Erwachsenentaufen in der römisch-katholischen Kirche Frankreichs. Sie hatte dazu auch Jan Loffeld befragt, einen deutschen Katholiken, der in Utrecht Praktische Theologie lehrt. Ihm zufolge haben sich die französischen Taufbewerber zunächst „im Internet oder bei Freunden informiert“, dann aber an die Ortsgemeinde gewandt. Für Loffeld beweist das, wie wichtig die von manchen „totgesagten“ Ortsgemeinden auch als „Anlaufstelle“ für diejenigen sind, „die sich neu fürs Christentum“ interessieren.

Jürgen Wandel

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