Warum das Gloria in der Passionszeit schweigt und in der Osternacht hoffnungsfroh wieder erklingt

Warum das Gloria in der Passionszeit schweigt und in der Osternacht hoffnungsfroh wieder erklingt

Warum das Gloria in der Passionszeit schweigt und in der Osternacht hoffnungsfroh wieder erklingt

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Warum das Gloria in der Passionszeit schweigt und in der Osternacht hoffnungsfroh wieder erklingt

Wenn wir an Ostern Gottesdienst feiern, wenn wir die Geschichten von Christi Auferstehung hören und wenn wir das Wunderbare der Auferstehung preisen, dann kehrt etwas in den Gottesdienst zurück, das – sonst selbstverständlicher Gottesdienstbestandteil – in der Passionszeit verstummte: das Gloria.

Als so zentraler, bekannter und eingeübter Bestandteil des christlichen Gottesdienstes findet das „Gloria“ seinen Platz im Gottesdienst direkt im Anschluss an das Kyrie, diesem Ruf nach Erbarmen und ist ein Wechselgesang zwischen dem Liturgen, der singend mit dem bekannten „Ehre sei Gott in der Höhe“ einstimmt und der Gemeinde, die singend antwortet – im evangelischen Gottesdienst meist mit der ersten Strophe des Liedes „Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr“ des Liederdichters Decius.

Das „Gloria“ ist dabei kein Novum, sondern kann auf eine lange Geschichte als Spezifikum christlicher Gottesdienste und christlicher Gebetspraxis zurückblicken.

Bereits im zweiten Jahrhundert sangen Christinnen und Christen es als Morgenlob und im Gebet und im vierten Jahrhundert dann fand das „Gloria“ als Bestandteil der Liturgie Eingang in die römisch-katholische Messe – erstmals in die Weihnachtsmesse. Nach und nach wurde es immer mehr eingeübt und dann fester Teil des katholischen Gottesdienstes – gesungen an Festtagen und Sonntagen, außer in Bußzeiten.

Teil der evangelischen Liturgie ist dieser frühe, christliche Lobgesang hingegen schon seit Beginn, seit der Reformation. Martin Luther betonte damals die Funktion des „Gloria“ als Dank und Anbetung Gottes und als Ausdruck der Freude über die Erlösung, die uns Menschen ergreift und durch Jesus Christus geschieht.

Dank und Anbetung und Freude – die uns mit den Engeln aus der Weihnachtsgeschichte des Lukas verbinden, die in der Nacht der Geburt als himmlische Heerschaaren sangen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens!“

Immer also, wenn wir im Gottesdienst das „Gloria“ singen, dann wird es für einen Moment kurz Weihnachten, die Engel aus der Weihnachtsgeschichte frohlocken und gemeinsam mit ihnen stimmen wir in den Jubel und das Lob ein. Den Jubel und das Lob, weil Gott wahrhaftig Mensch geworden ist, weil Gott seine Liebe zu uns Menschen in diesem Kindlein in der Krippe offenbart hat – und weil dieser Gott mitten unter uns, im Gottesdienst, gegenwärtig ist.

 

Das „Gloria“ also als der Moment im Gottesdienst, in dem wir als Feiernde im Anschluss an den Erbarmungsruf des „Kyrie“ und im Nachgang zur Gnadenzusage und im Glauben daran, dass Gott in diesem Gottesdienst und in dieser Welt mit uns geht, voller Innbrunst singen können: Ehre unserem Gott in der Höhe!

Warum aber verstummt dieser Ruf des Lobens und der Freude in der Passionszeit? Wieso wird es wochenlang still, wo sonst Jubelrufe erklingen?

Weil die Passionszeit eine Zeit der Besinnung, der Umkehr und der Zurückhaltung ist. Eine Zeit, in der wir den Blick auf uns, auf unseren Glauben und unsere Beziehung zu Gott und auf den Weg desjenigen, der für uns litt, richten sollen und in der es deswegen still wird. Weil die Passionszeit eine Zeit ist, die unsere Wahrnehmung schärfen soll und in der an die Stelle des Lärms und des Trubels gleich im Anschluss an das flehende „Kyrie“ eines tritt: Stille.

Stille, wo wir sonst abgelenkt sind, Stille, wo wir uns sonst in den Trott des Alltags einreihen, Stille, wo sonst lauter Jubel ertönt – Stille im Gottesdienst, in der wir innehalten können.

Stille, die nach den Wochen der Passionszeit, nach der Zeit des Wahrnehmens und nach den Momenten des Innehaltens umschlagen kann – mitten in der Osternacht: in Jubel, Jubel voller Innbrunst. Und am Osterfest, dass nun unmittelbar vor uns liegt: da – und in all der Zeit, die darauffolgt – darf es aus voller Brust wieder heißen: Gloria! Ehre sei Gott in der Höhe!

Markus Sachse

 

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