06/06/2026 0 Kommentare
Würdiger Ort der Trauer
Würdiger Ort der Trauer
# Neuigkeiten aus der Gemeinde

Würdiger Ort der Trauer
Die Halensee-Gemeinde besitzt nun eine Gemeinschaftsgrabstätte

Die Bestattungskultur in Deutschland befindet sich in einem enormen Umbruch. Über Jahrhunderte waren das individuelle oder familiäre Sarg- oder seit ca. hundert Jahren das Urnengrab nahezu die einzigen Bestattungsformen. Mit der zunehmenden gesetzlichen Liberalisierung des Bestattungswesens sind in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Alternativen hinzugekommen: Seebestattungen, Friedwälder oder die „Reerdigung“ (Bestattung als Kompostierung) sind nur einige Beispiele.
Ein großer Trend sind anonyme Bestattungen („Rasenbeisetzungen“) bei denen oft der Bestattungsort nicht lokalisierbar ist und auch kein Stein, keine Tafel, kein Holzkreuz an den oder die Verdorbene(n) mit Namen erinnert. Kostenaspekte und der Wunsch, die Kinder nicht mit der Grabpflege zu belasten, bzw. die Abwesenheit von Angehörigen, die diese Pflege übernehmen könnten, sind wesentliche Argumente für Menschen, eine solche Bestattungsform für sich festzulegen. In der EKD-Handreichung „Herausforderungen evangelischer Bestattungskultur“ liest man dazu: „Allerdings ist es seelsorgerlich und psychologisch nachgewiesen und tritt faktisch auch immer wieder ein, dass Hinterbliebene, die einer anonymen Beerdigung zugestimmt haben, später erhebliche Probleme mit der ‚Ortlosigkeit der Trauer‘ bekamen. Ein konkreter Erinnerungsort, ein identifizierbarer Grabstein, ja schon ein umgrenzter Bereich auf einem Friedhof haben für nicht wenige Menschen zentrierende und darum heilende Bedeutung. Die christlichen Kirchen standen auch deswegen den anonymen Bestattungen immer deutlich kritisch gegenüber.“

Auf den wunderschönen evangelischen Kirchhöfen Schönbergs kann man viele Beispiele finden, wie moderne kirchliche Bestattungskultur gleichzeitig den Bedürfnissen nach einer Reduzierung des persönlichen Aufwands gerecht werden kann wie auch dem Anspruch, der Verstorbenen mit Namen und Lebensdaten zu gedenken. So findet man hier für fast jede evangelische Gemeinde eine oder mehrere Urnengemeinschaftsgrabstätten. Meist ist ein historisches Grabdenkmal umgewidmet worden, auf einer zentralen Tafel ist der Name der Gemeinde und ein Bibelvers zu lesen und auf weiteren Tafeln sind die Namen der dort Bestatteten eingraviert. Die Menge solcher Grabstätten auf diesen Kirchhöfen vermittelt einen Eindruck, wie groß das Bedürfnis nach dieser Form der Bestattung ist.
Im Gemeindekirchenrat ist der Wunsch entstanden nach Schönenberger Vorbild eine Gemeinschaftsgrabstätte der Evangelischen Kirchengemeinde Halensee zu errichten. Allerdings gibt es in Wilmersdorf und Charlottenburg nur sehr wenige Evangelische Kirchhöfe, so dass der damalige Kirchenkreis Wilmersdorf schon vor fast 20 Jahren seine Gemeinschaftsgrabstätten auf dem städtischen Friedhof in der Berliner Straße realisiert hat.
In unserem Gemeindegebiet befindet sich der idyllisch gelegene, städtische Friedhof Grunewald in der Bornstedter Straße. In den letzten Jahren ist es in Zusammenarbeit mit der Friedhofsverwaltung und dem Landesdenkmalamt gelungen, die historische Grabstätte der Familie Dernburg zu sanieren und als Gemeinschaftsgrabstätte umzugestalten. Auftraggeber der historischen Grabanlage war der jüdisch geborene und zum Protestantismus konvertierte Politiker, Publizist und Schriftsteller Friedrich Dernburg (1833 - 1911). Mehr über ihn, seine Familie und die Grabanlage werden wir in einem weiteren Artikel berichten.

Die Bauleitung bei der Sanierung und Umgestaltung lag beim Architekturbüro Nedelykov Moreira, das auch den Hochmeisterpavillon entworfen und realisiert hat. Die Sanierung der Grabanlage wurde durch das Landesdenkmalamt mit 50 % der Kosten gefördert. Der Grabstein wurde von den Steinmetzwerkstätten Scherhaag angefertigt – ein Betrieb mit langer Tradition, der auf den oben genannten Schöneberger Kirchhöfen maßgeblich an der Gestaltung verschiedener Grab- und „Grabgarten“-Anlagen beteiligt war. Als Bibelvers hat der GKR ein Wort aus dem Hebräerbrief gewählt: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ (Heb. 13:14) Außerdem ist das Gemeindesiegel mit dem Hochmeisterkreuz eingraviert, das wir auf dem Fliesenfußboden im Zentrum des sechseckigen Kirchraums wiederfinden. So wird eine Verbindung zwischen Gemeinschaftsgrab und Kirche hergestellt. Steinplättchen mit eingravierten Namen und Lebensdaten der Verstorbenen werden im Laufe der Jahre den großen Stein füllen und in ihrer Anordnung die Lage der Urnen auf dem Gräberfeld widerspiegeln.
Aus Sicht aller Beteiligten ein positives Projekt: die Friedhofskultur in der Bornstedter Straße wird gepflegt und erweitert, ein ziemlich verfallenes Grabdenkmal wurde fachgerecht restauriert und unsere Gemeinde kann ihren Mitgliedern einen würdevollen Ort für Bestattungen anbieten, der einen Fortbestand der kirchlichen Gemeinschaft über den Tod hinaus zum Ausdruck bringt.
Es ist auch ein Beispiel für das gute Verhältnis zwischen evangelischer Kirche und Bezirkspolitik. Als es einmal ein wenig holprig im Projektfortgang wurde, haben sich Bezirksstadtrat Schruoffeneger und Superintendent Bolz zusammengesetzt und eine gemeinsame Lösung gefunden. Das gute gemeinsame Verhältnis spiegelt sich auch in der Präambel der gemeinsamen Nutzungsvereinbarung wider:
In dem Bestreben, eine ehemals für Familiengräber genutzte Teilfläche des landeseigenen Friedhofes Grunewald (…) künftig als eine von der Evangelischen Kirchengemeinde Halensee belegbare Gemeinschaftsgrabanlage für Urnenbeisetzungen zu etablieren, wird diese Vereinbarung geschlossen. Sie dokumentiert zugleich den erklärten Willen beider Parteien zu einer dem bezirklichen Gemeinwohl dienenden Zusammenarbeit zwischen staatlicher und kirchlicher Funktionsträgerschaft. Es wird hierdurch ein Zeichen gesetzt, dass die hier beigesetzten Toten nicht namenlos sind und im Schoße der kirchlichen Gemeinschaft, wie in einer Familiengrabstätte, zur letzten Ruhe gebettet werden.“
Timo Wolff

Die Grabstätte kann 81 Urnen aufnehmen. Im Sterbefall ist direkt oder über den Bestatter Kontakt mit dem Gemeindebüro aufzunehmen. Mit dem Kostenbeitrag in Höhe von 2200 € ist ein 20-jähriges Liegerecht verbunden, sowie die Erstellung und Montage des Namensplättchens und die gärtnerische Pflege der Grabanlage abgedeckt. Diese Einnahmen dienen dazu, die laufenden Kosten sowie die Errichtungs- und Sanierungskosten der Gemeinschaftsgrabstätte zu decken. Eine vorherige Reservierung ist nur für Ehe- und Lebenspartner bereits in der Grabstätte beigesetzter Verstobener möglich. Die Grabstätte befindet sich in der Abteilung III, des Friedhofs Grunewald, Bornstedter Str. 11, am westlichen Ende der Südmauer.
Kommentare